Wenn die Temperaturen sinken und die Tage kürzer werden, beginnt für viele heimische Wildtiere eine besondere Herausforderung: den Winter überstehen. Während sich manche Tiere in einen tiefen Winterschlaf zurückziehen, bleiben andere gelegentlich aktiv oder verfallen in eine Winterstarre. Der Naturschutzbund Österreich erklärt, wie unterschiedlich diese Überlebensstrategien funktionieren und warum ungestörte Winterquartiere so wichtig sind.

Die Natur bereitet sich auf den Winter vor
Mit dem Herbst verändert sich nicht nur die Landschaft, sondern auch das Verhalten vieler Wildtiere. Das Nahrungsangebot wird knapper, die Temperaturen fallen und die kalten Monate verlangen den Tieren einiges ab.
Um möglichst wenig Energie zu verbrauchen, haben heimische Tierarten im Laufe ihrer Entwicklung unterschiedliche Strategien entwickelt. Manche fressen sich Fettreserven an, andere sammeln Vorräte oder suchen geschützte Verstecke.
Besonders faszinierend sind dabei drei Formen der Überwinterung: Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre.
Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre – was ist der Unterschied?
Obwohl diese Begriffe häufig miteinander verwechselt werden, unterscheiden sie sich deutlich.
Winterschlaf: Beim echten Winterschlaf werden Körpertemperatur, Herzschlag, Atmung und Stoffwechsel stark reduziert. Die Tiere benötigen dadurch wesentlich weniger Energie und leben überwiegend von ihren zuvor angelegten Fettreserven. Typische Winterschläfer sind beispielsweise Igel, Fledermäuse und Haselmäuse.
Winterruhe: Tiere in Winterruhe senken ihren Energieverbrauch ebenfalls, allerdings deutlich weniger stark. Ihre Körpertemperatur bleibt vergleichsweise stabil und sie erwachen regelmäßig, um Nahrung aufzunehmen. Zu diesen Tieren zählen unter anderem Eichhörnchen und Dachse.
Winterstarre: Diese Überwinterungsform betrifft vor allem wechselwarme Tiere wie Frösche, Kröten, Eidechsen und zahlreiche Insekten. Ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebung ab. Bei niedrigen Temperaturen werden sie zunehmend unbeweglich, bis ihre Aktivität nahezu vollständig zum Erliegen kommt.
Alle drei Strategien verfolgen dasselbe Ziel: möglichst energiesparend durch den Winter zu kommen.
Die Haselmaus: Kleine Schlafmütze mit großen Energiereserven
Die Haselmaus gehört zu den besonders ausgeprägten Winterschläfern unserer heimischen Tierwelt.
Bereits im Herbst beginnt das kleine Nagetier, sich ausreichend Fettreserven anzufressen. Besonders beliebt sind energiereiche Haselnüsse und verschiedene Früchte.
Zwischen September beziehungsweise Oktober und März oder April verbringt die Haselmaus mehrere Monate in einem gut isolierten, kugelförmigen Nest, das sie bevorzugt an geschützten Stellen in Bodennähe anlegt.
Während des Winterschlafs kann ihre Körpertemperatur auf ungefähr vier Grad Celsius sinken. Herzschlag und Stoffwechsel werden stark verlangsamt.
Anders als manche anderen Tiere legt die Haselmaus in ihrem Winterquartier keine Nahrungsvorräte an. Sie ist daher besonders auf ihre Fettreserven angewiesen.
Eichhörnchen: Gut vorbereitet durch die Winterruhe
Wer im Herbst Eichhörnchen beobachtet, kann häufig sehen, wie die flinken Tiere Nüsse und Samen sammeln und an verschiedenen Stellen verstecken.
Diese Vorräte sind ihre Lebensversicherung für die kalte Jahreszeit.
Anders als die Haselmaus hält das Eichhörnchen keinen echten Winterschlaf, sondern Winterruhe. Es verbringt viel Zeit in seinem geschützten Nest, dem sogenannten Kobel, und reduziert seine Aktivität.
Bei Hunger oder Durst verlässt es seinen Unterschlupf, sucht seine angelegten Futterdepots auf und zieht sich anschließend wieder zurück.
Interessant: Nicht alle versteckten Nüsse werden wiedergefunden. Manche beginnen im Frühjahr zu keimen und entwickeln sich mit etwas Glück zu neuen Bäumen. Eichhörnchen leisten damit einen wertvollen Beitrag zur natürlichen Verbreitung von Gehölzen.
Frösche und Kröten: Überleben in der Winterstarre
Eine ganz andere Strategie verfolgen unsere heimischen Amphibien.
Frösche, Kröten und Molche sind wechselwarme Tiere. Ihre Körpertemperatur wird wesentlich von der Umgebungstemperatur bestimmt.
Sinken die Temperaturen, verlangsamt sich ihr Stoffwechsel zunehmend. Wird eine bestimmte Temperaturschwelle unterschritten, stellen sie ihre Aktivität weitgehend ein und verfallen in Winterstarre.
Als Winterquartiere dienen unter anderem:
- Geschützte Erdlöcher und Felsspalten
- Laub- und Asthaufen
- Liegendes Totholz
- Frostfreie Hohlräume im Boden
- Bei manchen Arten auch der Gewässergrund
Besonders bemerkenswert sind die Überlebensmechanismen bestimmter Froscharten. Moorfrösche können beispielsweise durch Veränderungen ihres Stoffwechsels und die Bildung von Glukose ihre Zellen vor Frostschäden schützen.
Damit zeigt sich, wie außergewöhnlich gut manche Tierarten an schwierige Umweltbedingungen angepasst sind.
Warum Tiere im Winter keinesfalls gestört werden sollten
Was für uns wie ein harmloser Blick unter einen Laubhaufen aussieht, kann für überwinternde Tiere schwerwiegende Folgen haben.
Der Naturschutzbund Österreich weist ausdrücklich darauf hin, dass Tiere während ihrer Winterruhe, ihres Winterschlafs oder ihrer Winterstarre möglichst nicht gestört werden dürfen.
Besonders für echte Winterschläfer kann ein unnötiges Erwachen gefährlich sein.
Beim Aufwachen steigt der Energieverbrauch stark an. Wertvolle Fettreserven, die eigentlich bis zum Frühjahr reichen müssen, werden dadurch schneller aufgebraucht.
Im schlimmsten Fall fehlen den Tieren anschließend die notwendigen Energiereserven, um den Winter zu überleben.
Auch das Verlassen eines geschützten Winterquartiers kann gefährlich werden, weil die Tiere dadurch stärker Kälte und möglichen Fressfeinden ausgesetzt sind.
So können Gartenbesitzer heimischen Tieren im Winter helfen
Wer einen Garten besitzt, kann mit einfachen Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Schutz der heimischen Tierwelt leisten.
Laubhaufen liegen lassen: Herbstlaub bietet zahlreichen Kleintieren Schutz und kann beispielsweise Igeln als Bestandteil eines Winterquartiers dienen.
Totholz und Äste erhalten: Ein kleiner Haufen aus Ästen und abgestorbenem Holz schafft wertvolle Rückzugsorte für Amphibien, Insekten und andere Gartenbewohner.
Nicht alles zurückschneiden: Verblühte Stauden und trockene Pflanzenstängel können Insekten als Überwinterungsplätze dienen. Deshalb lohnt es sich, einen Teil der Gartenpflege auf das Frühjahr zu verschieben.
Winterquartiere in Ruhe lassen: Bereits angelegte Laub-, Holz- und Reisighaufen sollten während der kalten Monate möglichst nicht umgeschichtet werden.
Naturnahe Gartenbereiche schaffen: Heimische Sträucher, Hecken und abwechslungsreiche Pflanzen bieten nicht nur im Winter Schutz, sondern versorgen zahlreiche Tiere auch während des restlichen Jahres mit Nahrung und Lebensraum.
Gerade in Siedlungsgebieten können solche kleinen Rückzugsorte einen wertvollen Unterschied machen.
Auch in Niederösterreich ist Rücksicht auf die Tierwelt wichtig
Ob in den Gärten des Marchfelds, entlang von Hecken und Feldrainen oder in den Wäldern Niederösterreichs – zahlreiche Wildtiere sind auf geeignete und möglichst ungestörte Winterquartiere angewiesen.
Besonders in aufgeräumten Gärten und intensiv genutzten Landschaften fehlen häufig natürliche Rückzugsmöglichkeiten.
Dabei braucht es nicht unbedingt einen großen Garten oder aufwendige Naturschutzprojekte. Schon eine ungestörte Ecke mit Laub, Ästen und heimischen Pflanzen kann vielen kleinen Lebewesen helfen.
Fazit: Ein bisschen Unordnung kann Leben retten
Die Natur hat faszinierende Möglichkeiten entwickelt, um selbst eisige Winter zu überstehen. Während die Haselmaus tief schläft, ruht sich das Eichhörnchen zwischen seinen Futtersuchen aus und Amphibien verharren bewegungslos in ihren geschützten Quartieren.
Doch so unterschiedlich diese Strategien auch sind, eines haben sie gemeinsam: Die Tiere benötigen Ruhe und geeignete Rückzugsorte.
Wer im Herbst und Winter bewusst auf übertriebene Gartenpflege verzichtet und natürliche Verstecke erhält, kann einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten.
Denn manchmal ist ein naturnaher, etwas unaufgeräumter Garten der beste Schutz für unsere heimischen Wintergäste.
Quelle: Naturschutzbund Österreich, 28. Oktober 2026 – Schlafen, ruhen oder erstarren: Wie heimische Arten durch den Winter kommen


