Aus alter Kleidung werden neue Rohstoffe: Niederösterreich forscht an der Zukunft des Textilrecyclings

Textilrecycling in Niederösterreich: Forschende in Tulln entwickeln neue Verfahren, um aus alter Kleidung wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen.

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Ausgediente Kleidung muss nicht zwangsläufig im Müll landen. Am Campus Tulln der Fachhochschule Wiener Neustadt arbeiten Forschende an innovativen Verfahren, mit denen wertvolle Rohstoffe aus alten Textilien zurückgewonnen werden können. Das Forschungsprojekt ReSTex soll einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten und gleichzeitig neue wirtschaftliche Chancen für Niederösterreich eröffnen.

Textilrecycling in Niederösterreich: Forschende in Tulln entwickeln neue Verfahren, um aus alter Kleidung wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bei ihrem Betriebsbesuch im Josef Ressel Zentrum ReSTex der FH Wr. Neustadt am Campus Tulln. © NLK Filzwieser

Wenn alte Kleidung zum wertvollen Rohstoff wird

Jedes Jahr werden weltweit schätzungsweise 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Ein erheblicher Teil davon wird nach vergleichsweise kurzer Nutzungsdauer wieder aussortiert. Tatsächlich recycelt wird bislang allerdings nur ein geringer Anteil der Textilien.

Besonders problematisch sind Kleidungsstücke, die aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Mischgewebe aus Baumwolle und Polyester sind beispielsweise weit verbreitet, lassen sich jedoch nur schwer in ihre ursprünglichen Bestandteile zerlegen.

Genau hier setzt ein Forschungsprojekt in Niederösterreich an.

Am Josef Ressel Zentrum ReSTex der Fachhochschule Wiener Neustadt am Campus Tulln entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Verfahren, um textile Abfälle wieder in wertvolle Rohstoffe umzuwandeln.

Das Ziel: Materialien sollen möglichst lange im Wirtschaftskreislauf bleiben, anstatt nach einmaliger Nutzung verloren zu gehen.

Neue EU-Regeln machen Textilrecycling wichtiger

Seit Juli 2026 gelten innerhalb der Europäischen Union neue Vorgaben für große Unternehmen.

Neue, unverkaufte Kleidung und Schuhe dürfen von diesen Unternehmen grundsätzlich nicht mehr vernichtet werden. Stattdessen sollen die Waren wiederverwendet, gespendet oder recycelt werden.

Diese Regelung soll verhindern, dass gebrauchsfähige Produkte ohne tatsächliche Nutzung entsorgt werden.

Gleichzeitig steigt dadurch die Bedeutung moderner Recyclingverfahren.

Denn nicht jedes Kleidungsstück kann problemlos weiterverkauft oder gespendet werden. Beschädigte, verschlissene oder anderweitig nicht mehr verwendbare Textilien müssen möglichst sinnvoll verwertet werden.

Damit entsteht ein wachsender Bedarf an Technologien, die auch aus schwer recycelbaren Materialien neue Rohstoffe gewinnen können.

Forschung in Tulln: Baumwolle und Polyester voneinander trennen

Ein besonderer Schwerpunkt des Josef Ressel Zentrums ReSTex liegt auf der Trennung von Mischtextilien.

Viele moderne Kleidungsstücke bestehen aus einer Kombination verschiedener Fasern. Baumwolle sorgt beispielsweise für ein angenehmes Tragegefühl, während Polyester häufig für Formstabilität und Strapazierfähigkeit eingesetzt wird.

Was bei der Herstellung Vorteile bringt, wird beim Recycling allerdings zur Herausforderung.

Die unterschiedlichen Materialien sind innerhalb des Gewebes eng miteinander verbunden und können nicht ohne Weiteres getrennt werden.

Die Forschenden in Tulln arbeiten deshalb an Verfahren, mit denen diese Bestandteile wieder voneinander getrennt und anschließend für neue Produkte genutzt werden können.

Gelingt dies in größerem Maßstab, könnten aus alten Textilien wieder Rohstoffe für neue Produktionsprozesse entstehen.

Damit würde ein wichtiger Schritt in Richtung einer funktionierenden textilen Kreislaufwirtschaft gelingen.

Pilotanlage soll Forschung in die Praxis bringen

Nach rund zweieinhalb Jahren Forschungsarbeit steht das Projekt vor einem weiteren wichtigen Entwicklungsschritt.

Wie Birgit Herbinger, Standortleiterin der Fachhochschule Wiener Neustadt am Campus Tulln, erläutert, bereitet der Leiter des Forschungszentrums, Christian Schimper, derzeit den Aufbau einer Pilotanlage vor.

In dieser Anlage sollen die entwickelten Verfahren künftig unter halbindustriellen Bedingungen getestet werden.

Das ist ein entscheidender Schritt zwischen wissenschaftlicher Forschung und einer möglichen späteren industriellen Anwendung.

Denn Verfahren, die im Labor funktionieren, müssen auch bei größeren Materialmengen zuverlässig, wirtschaftlich und ressourcenschonend eingesetzt werden können.

Die geplante Pilotanlage soll deshalb wichtige Erkenntnisse darüber liefern, wie sich die Forschungsergebnisse in der Praxis umsetzen lassen.

Landeshauptfrau Mikl-Leitner besuchte Forschungsstandort

Bei einem Betriebsbesuch informierte sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner über die Forschungsarbeiten am Josef Ressel Zentrum ReSTex.

Sie betonte die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich.

Die Wiederverwendung wertvoller Rohstoffe könne nicht nur natürliche Ressourcen schonen, sondern auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten schaffen.

Forschungsprojekte wie jenes in Tulln zeigen nach Ansicht der Landeshauptfrau, wie sich Nachhaltigkeit, Innovation und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbinden lassen.

Dabei geht es auch um die langfristige Stärkung regionaler Unternehmen, die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Entwicklung neuer Technologien.

Technopol Tulln als wichtiger Forschungsstandort

Das Josef Ressel Zentrum ReSTex ist Teil eines größeren Forschungs- und Innovationsnetzwerks.

Das Projekt entwickelte sich aus einer Initiative des ecoplus Kunststoff-Clusters und ist heute in das Netzwerk des ecoplus Technopol Tulln eingebettet.

Der Standort zählt zu den bedeutenden Forschungszentren Niederösterreichs in den Bereichen Bioökonomie, Biotechnologie und nachhaltige Ressourcennutzung.

Hier arbeiten Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen eng zusammen, um innovative Lösungen für wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen zu entwickeln.

Die Bedeutung des Forschungsstandorts zeigen auch die Beschäftigungszahlen:

  • Rund 1.180 Personen arbeiten am Technopol Tulln in verschiedenen Technologiefeldern.
  • Davon sind etwa 540 Personen in der Forschung tätig.

Diese enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll dazu beitragen, neue Entwicklungen schneller in praktische Anwendungen zu überführen.

Die ecoplus Technopole bilden gemeinsam mit den Clustern und Plattformen das niederösterreichische Innovationsökosystem, das von der Europäischen Union kofinanziert wird.

Warum Kreislaufwirtschaft für unsere Zukunft entscheidend ist

Die klassische Wirtschaftsweise folgt häufig einem einfachen Prinzip: Rohstoffe werden gewonnen, Produkte hergestellt, verwendet und schließlich entsorgt.

Die Kreislaufwirtschaft verfolgt einen anderen Ansatz.

Produkte und Materialien sollen möglichst lange genutzt werden. Am Ende ihrer Lebensdauer sollen die enthaltenen Rohstoffe nach Möglichkeit zurückgewonnen und erneut eingesetzt werden.

Gerade in der Textilindustrie bietet dieser Ansatz großes Potenzial.

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft kann dazu beitragen,

  • den Verbrauch neuer Rohstoffe zu reduzieren,
  • textile Abfallmengen zu verringern,
  • wertvolle Materialien mehrfach zu nutzen,
  • die Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffimporten zu verringern,
  • und neue wirtschaftliche Möglichkeiten im Recyclingbereich zu schaffen.

Allerdings hängt der tatsächliche ökologische Nutzen auch davon ab, wie viel Energie, Wasser und zusätzliche Materialien für die jeweiligen Recyclingverfahren benötigt werden.

Deshalb ist es besonders wichtig, neue Technologien nicht nur technisch, sondern auch hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit zu untersuchen.

Was Verbraucher selbst beitragen können

Auch im Alltag lässt sich ein Beitrag zur Verringerung von Textilabfällen leisten.

Wer Kleidung länger trägt, beschädigte Stücke repariert oder gut erhaltene Textilien weitergibt, kann dazu beitragen, Ressourcen einzusparen.

Besonders sinnvoll ist es, bereits beim Einkauf auf Qualität, Haltbarkeit und tatsächlichen Bedarf zu achten.

Gut erhaltene Kleidung kann beispielsweise über Secondhand-Angebote, Kleidertauschbörsen oder geeignete Sammelstellen weiterverwendet werden.

Nicht mehr tragbare Textilien sollten entsprechend den örtlichen Entsorgungsvorgaben abgegeben werden.

Denn auch die richtige Sammlung und Sortierung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Recyclingverfahren künftig möglichst effizient eingesetzt werden können.

Fazit: Niederösterreich arbeitet an Lösungen für eine nachhaltigere Textilwirtschaft

Das Forschungsprojekt ReSTex am Campus Tulln zeigt, welches Potenzial in vermeintlich wertlosen Textilabfällen steckt.

Die Entwicklung neuer Verfahren zur Trennung und Wiederverwertung von Baumwoll-Polyester-Mischgeweben könnte langfristig dazu beitragen, die Textilindustrie ressourcenschonender zu gestalten.

Mit der geplanten Pilotanlage steht nun ein wichtiger Praxistest bevor.

Ob sich die entwickelten Technologien später im industriellen Maßstab durchsetzen können, wird sich erst nach weiteren Untersuchungen zeigen.

Schon jetzt macht das Projekt jedoch deutlich, dass innovative Forschung, wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz keine Gegensätze sein müssen.

Aus alter Kleidung könnten künftig wertvolle Rohstoffe für neue Produkte entstehen – und Niederösterreich leistet dazu einen wichtigen Forschungsbeitrag.


Quelle: Land Niederösterreich, Presseaussendung vom 27. Oktober 2026 – „Kreislaufwirtschaft – Neue Rohstoffe aus alten Textilien“.

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