Achtung Wildwechsel: Im Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen auf Österreichs Straßen

Achtung Wildwechsel! Im Herbst steigt die Wildunfallgefahr. Aktuelle Zahlen aus Österreich und wichtige Tipps für Autofahrer in Niederösterreich.

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Mit den kürzer werdenden Tagen und der früher einsetzenden Dunkelheit steigt auf Österreichs Straßen die Gefahr von Wildunfällen. Besonders in Niederösterreich sollten Autofahrer jetzt aufmerksam unterwegs sein. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), die Polizei, der Niederösterreichische Jagdverband und der ÖAMTC warnen gemeinsam vor den Risiken und geben wichtige Tipps, wie sich gefährliche Begegnungen mit Wildtieren vermeiden lassen.

Mehr als 300 Verletzte durch Wildunfälle in Österreich

Wildunfälle stellen eine ernst zu nehmende Gefahr im Straßenverkehr dar. Laut aktuellen Zahlen der Statistik Austria wurden im Jahr 2025 insgesamt 322 Menschen bei Wildunfällen verletzt. Todesfälle wurden in diesem Jahr keine registriert.

Dennoch können Zusammenstöße mit Wildtieren schwerwiegende Folgen haben. Besonders gefährlich wird es, wenn Autofahrer plötzlich ausweichen, die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren oder mit dem Gegenverkehr kollidieren.

Wie das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) berichtet, spielen dabei häufig menschliche Faktoren eine entscheidende Rolle:

  • 54 Prozent der Wildunfälle stehen mit Unachtsamkeit oder Ablenkung in Zusammenhang.
  • 38 Prozent werden mit nicht angepasster Geschwindigkeit in Verbindung gebracht.

Diese Zahlen zeigen, wie wichtig vorausschauendes und konzentriertes Fahren gerade während der Herbstmonate ist.

Über 65.000 Wildtiere im Straßenverkehr getötet

Nicht nur für Menschen, sondern auch für die heimische Tierwelt haben Wildunfälle dramatische Folgen.

Laut der aktuellen Fallwildstatistik wurden in der Saison 2025/2026 österreichweit 65.036 im Straßenverkehr getötete Wildtiere gemeldet.

Besonders häufig betroffen waren:

  • Rehwild: 38.139 Tiere
  • Hasen: 15.417 Tiere
  • Fasane: 4.142 Tiere

Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen, da nicht jeder Wildunfall gemeldet wird.

Gerade in ländlichen Regionen, in denen Straßen durch Felder, Wiesen und Waldgebiete führen, kommt es regelmäßig zu Begegnungen zwischen Fahrzeugen und Wildtieren.

Warum die Gefahr im Herbst besonders hoch ist

Im Herbst verändert sich das Verhalten vieler Wildtiere. Rehe und andere Wildarten wechseln zwischen ihren Sommer- und Winterlebensräumen und suchen verstärkt nach geeigneten Nahrungsplätzen.

Dabei müssen sie häufig Straßen überqueren.

Zusätzlich erschweren mehrere Faktoren die Situation:

Frühere Dunkelheit: Durch die Zeitumstellung Ende Oktober fällt der abendliche Berufsverkehr verstärkt in die Dämmerung.

Schlechte Sichtverhältnisse: Nebel, Regen und trübes Herbstwetter machen Wildtiere am Straßenrand schwerer erkennbar.

Rutschige Fahrbahnen: Feuchtes Laub und nasse Straßen können den Bremsweg verlängern.

Unberechenbares Verhalten: Wildtiere können die Geschwindigkeit herannahender Fahrzeuge nur schwer einschätzen und bleiben manchmal sogar mitten auf der Fahrbahn stehen.

Besonders kritisch sind die frühen Morgenstunden und der Abend.

Laut KFV ereignen sich rund 47 Prozent der Wildunfälle bei Dunkelheit und weitere 10 Prozent in der Dämmerung.

Allerdings ist auch tagsüber jederzeit mit plötzlich querenden Tieren zu rechnen.

Achtung Wildwechsel: KFV, Polizei, NÖ Jagdverband und ÖAMTC warnen vor erhöhter Wildunfallgefahr
Grafik, Abdruck honorarfrei: © KFV

Wildwechsel in Niederösterreich: Besonders auf Landstraßen aufpassen

Niederösterreich verfügt über weitläufige Waldgebiete, landwirtschaftlich genutzte Flächen und zahlreiche Straßen, die natürliche Lebensräume von Wildtieren durchschneiden.

Auch im Marchfeld und im Bezirk Gänserndorf ist deshalb besondere Aufmerksamkeit angebracht.

Vor allem auf Straßen entlang von Feldern, Waldstücken und Hecken können Rehe, Hasen und andere Wildtiere plötzlich auftauchen.

Gerade auf wenig beleuchteten Landstraßen wird die Gefahr häufig unterschätzt.

Wichtig: Auch wenn auf einer Strecke jahrelang kein Wildtier gesichtet wurde, bedeutet das nicht, dass dort kein Wildwechsel stattfinden kann.

Wer regelmäßig durch ländliche Gebiete fährt, sollte daher besonders während der Morgen- und Abendstunden die Geschwindigkeit anpassen und die Straßenränder aufmerksam beobachten.

Untersuchung zeigt: Viele Autofahrer ignorieren Wildwechsel-Warnschilder

Eine aktuelle Untersuchung des KFV liefert ein bemerkenswertes Ergebnis.

An verschiedenen Straßenabschnitten in Österreich wurde das Fahrverhalten von rund 677.000 Fahrzeugen vor und nach einem Wildwechsel-Warnschild untersucht.

Das Ergebnis: Die Autofahrer reduzierten ihre Geschwindigkeit beim Passieren der Warnschilder im Allgemeinen nicht.

Teilweise wurde nach dem Schild sogar beschleunigt.

Dabei stehen diese Verkehrszeichen nicht zufällig am Straßenrand. Sie weisen auf Strecken hin, auf denen Wildtiere besonders häufig die Fahrbahn überqueren oder bereits entsprechende Unfälle passiert sind.

Wer ein Wildwechsel-Warnschild sieht, sollte daher nicht nur auf mögliche Tiere achten, sondern auch das Tempo rechtzeitig reduzieren.

Was tun, wenn plötzlich ein Reh auf der Straße steht?

Taucht unerwartet ein Wildtier vor dem Fahrzeug auf, bleiben oft nur wenige Sekunden zum Reagieren.

Der ÖAMTC empfiehlt, in einer solchen Situation möglichst kontrolliert zu handeln.

1. Lenkrad festhalten

Das Fahrzeug sollte möglichst stabil in der eigenen Fahrspur gehalten werden.

2. Kräftig abbremsen

Die Geschwindigkeit möglichst rasch und kontrolliert reduzieren. Dabei ist auch auf den nachfolgenden Verkehr zu achten.

3. Fernlicht abblenden

Geblendete Wildtiere bleiben manchmal wie erstarrt stehen. Durch das Abblenden kann ihnen die Orientierung erleichtert werden.

4. Gegebenenfalls hupen

Ein Hupsignal kann helfen, das Tier aufzuschrecken und zum Verlassen der Fahrbahn zu bewegen.

5. Riskante Ausweichmanöver vermeiden

Ein plötzliches Ausweichen kann gefährlicher sein als die Kollision selbst. Besonders auf Landstraßen drohen dabei Zusammenstöße mit dem Gegenverkehr oder das Abkommen von der Fahrbahn.

Ein Ausweichmanöver sollte daher nur erfolgen, wenn es ohne Gefährdung der eigenen Sicherheit und anderer Verkehrsteilnehmer möglich ist.

Achtung: Ein Reh kommt selten allein

Viele Wildtiere sind in Gruppen unterwegs.

Wer ein Reh über die Straße laufen sieht, muss damit rechnen, dass weitere Tiere folgen.

Deshalb sollte die Geschwindigkeit auch dann reduziert bleiben, wenn das erste Tier die Fahrbahn bereits verlassen hat.

Wildunfall passiert: So verhalten Sie sich richtig

Trotz aller Vorsicht lässt sich ein Zusammenstoß mit einem Wildtier nicht immer verhindern.

In diesem Fall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die Unfallstelle richtig abzusichern.

Das sollten Sie nach einem Wildunfall tun:

  1. Fahrzeug möglichst sicher am Straßenrand abstellen und Warnblinkanlage einschalten.
  2. Warnweste anziehen und die Unfallstelle mit einem Pannendreieck absichern, soweit dies gefahrlos möglich ist.
  3. Bei verletzten Personen sofort die Rettung unter 144 verständigen und Erste Hilfe leisten.
  4. Die Polizei unter 133 informieren.
  5. Verletzte oder tote Wildtiere keinesfalls eigenständig berühren oder von der Straße entfernen, wenn dadurch eine Gefahr entsteht.
  6. Auch dann die Polizei verständigen, wenn das angefahrene Tier in den Wald oder auf ein Feld flüchtet.

Die Polizei stellt bei Bedarf den Kontakt zur zuständigen Jägerschaft her, damit verletzte Tiere gesucht und fachgerecht versorgt werden können.

Wichtig: Ein Wildunfall muss auch dann gemeldet werden, wenn am Fahrzeug nur geringer Schaden entstanden ist oder das Tier scheinbar unverletzt davongelaufen ist.

Wer einen Wildunfall nicht meldet und die Unfallstelle einfach verlässt, riskiert rechtliche und versicherungstechnische Probleme.

Rücksicht auf Wildtiere beginnt nicht erst auf der Straße

Auch abseits des Straßenverkehrs können Menschen dazu beitragen, Wildtiere vor unnötigem Stress zu schützen.

Gerade während der kalten Jahreszeit benötigen viele Tiere ausreichend Ruhe, um ihre Energiereserven zu schonen.

Spaziergänger, Wanderer und Mountainbiker sollten deshalb möglichst auf den vorgesehenen Wegen bleiben.

Hunde sollten in Waldgebieten nicht frei herumlaufen, damit Wildtiere nicht aufgeschreckt und zu gefährlichen Fluchtbewegungen gezwungen werden.

Ein respektvoller Umgang mit der Natur schützt nicht nur die Tiere selbst, sondern kann indirekt auch zur Verkehrssicherheit beitragen.

Fazit: Weniger Tempo kann Leben retten

Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass Wildunfälle auf Österreichs Straßen weiterhin ein ernstes Sicherheitsrisiko darstellen.

Besonders während der Herbstmonate und in der Dämmerung ist erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich.

Wer Warnschilder ernst nimmt, seine Geschwindigkeit anpasst und jederzeit mit plötzlich auftauchenden Wildtieren rechnet, kann das Unfallrisiko deutlich reduzieren.

Gerade auf den Landstraßen Niederösterreichs und im Marchfeld gilt daher: Lieber einige Minuten später ankommen, als durch eine unachtsame Sekunde einen schweren Unfall riskieren.

Denn vorausschauendes Fahren schützt nicht nur Menschenleben, sondern auch unsere heimische Tierwelt.


Quelle: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), Presseaussendung vom 22. Oktober 2026: Achtung Wildwechsel – KFV, Polizei, NÖ Jagdverband und ÖAMTC warnen vor erhöhter Wildunfallgefahr

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