ÖAMTC warnt vor falschen Spritspar-Wundermitteln: Wenn der kleine Stecker plötzlich große Ersparnis verspricht

Der ÖAMTC warnt vor angeblichen Spritspar-Wundermitteln und gefälschter Werbung. Warum OBD-Spritsparer nicht halten, was sie versprechen.

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Weniger Verbrauch, niedrigere Tankkosten und das alles mit einem kleinen Gerät, das einfach ins Auto gesteckt wird? Was verlockend klingt, sorgt derzeit für eine deutliche Warnung des ÖAMTC. Im Internet und insbesondere in sozialen Netzwerken kursieren Werbeanzeigen für angebliche „Spritspargeräte“. Besonders problematisch: Teilweise werden dabei Name, Logo und Erscheinungsbild des ÖAMTC verwendet, obwohl der Mobilitätsclub mit den beworbenen Produkten nichts zu tun hat.

Hohe Treibstoffpreise belasten viele Autofahrer. Entsprechend groß ist das Interesse an Möglichkeiten, den Verbrauch des eigenen Autos zu reduzieren. Genau diese Situation machen sich Anbieter vermeintlicher „Spritspar-Wundermittel“ zunutze.

Der ÖAMTC warnt aktuell vor Online-Werbungen, die den Eindruck erwecken, bestimmte Produkte seien vom Mobilitätsclub getestet oder sogar empfohlen worden. Laut ÖAMTC werden dafür unter anderem das Logo des Clubs, Fotos sowie teilweise KI-generierte Bilder von Stützpunkten oder Mitarbeitenden eingesetzt. Aussagen wie „Wir haben es getestet“ sollen zusätzlich Vertrauen schaffen.

Der ÖAMTC stellt jedoch klar: Zwischen dem Mobilitätsclub und diesen Angeboten besteht keinerlei Zusammenhang.

Was sind diese angeblichen Spritspargeräte?

Besonders häufig werden sogenannte OBD-Dongles angeboten. Dabei handelt es sich um kleine elektronische Geräte, die in die Diagnosebuchse eines Autos gesteckt werden.

OBD steht für „On-Board-Diagnose“. Die entsprechende Schnittstelle wird beispielsweise in Werkstätten genutzt, um Fahrzeugdaten auszulesen und Fehlercodes zu diagnostizieren.

Genau hier setzen die Versprechen mancher Anbieter an: Der kleine Stecker soll angeblich mit der Fahrzeugelektronik kommunizieren, Motoreinstellungen optimieren und dadurch den Kraftstoffverbrauch reduzieren.

Für Autofahrer klingt das natürlich verlockend: Gerät kaufen, einstecken und künftig bei jedem Tankstopp Geld sparen.

Das Problem: Untersuchungen solcher Geräte zeichnen ein völlig anderes Bild.

Stecker blinkt – aber spart keinen Sprit

Der deutsche ADAC hat gemeinsam mit Elektronikexperten bereits entsprechende OBD-Dongles untersucht. Dabei zeigte sich bei getesteten Geräten, dass überhaupt keine Kommunikation mit der Fahrzeugelektronik stattfand.

Bei einem untersuchten Gerät waren die für eine Kommunikation mit dem CAN-Bus des Fahrzeugs erforderlichen Kontakte gar nicht entsprechend mit der Schaltung verbunden. Im Inneren fanden sich unter anderem LEDs und elektronische Bauteile, die dafür sorgten, dass das Gerät nach dem Einstecken blinkte.

Der Eindruck, dass im Hintergrund eine komplizierte elektronische Optimierung stattfindet, kann dadurch durchaus entstehen – eine tatsächliche Beeinflussung der Motorsteuerung wurde jedoch nicht festgestellt.

Auch ein 2026 vom ADAC untersuchter „Fuel Saver“, der sogar mit einer Kraftstoffersparnis von bis zu 55 Prozent beworben wurde, konnte die Versprechen nicht erfüllen. Erneut fand keine entsprechende Kommunikation mit dem Fahrzeug statt.

Spritspar-Wundermittel sind kein neues Phänomen

Die Idee vom einfachen Mittel gegen hohen Kraftstoffverbrauch ist keineswegs neu.

Über die Jahre wurden immer wieder unterschiedlichste Produkte angeboten: Metallstifte für den Tank, Magnete für Kraftstoffleitungen, Tabletten oder Zusätze für den Kraftstoff, Öladditive und schließlich elektronische Stecker für die Diagnosebuchse.

Der ÖAMTC hat solche Versprechen bereits mehrfach untersucht. Gemeinsam mit der TU Wien wurden entsprechende Spritsparmittel sowohl auf Prüfständen als auch auf der Straße getestet.

Das Ergebnis: Ein Vorteil beim Kraftstoffverbrauch konnte bei diesen vermeintlichen Wundermitteln nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Besonders dreist: Vertrauen durch bekannte Marken

Die aktuelle Warnung des ÖAMTC geht allerdings noch einen Schritt weiter. Es geht nicht nur darum, dass ein Produkt möglicherweise mit unrealistischen Versprechen beworben wird.

Bei den derzeit auftauchenden Anzeigen wird laut Mobilitätsclub teilweise gezielt der Eindruck vermittelt, der ÖAMTC stehe hinter dem Produkt.

Logos, vermeintliche Experten, Bilder von Mitarbeitern oder Stützpunkten und professionell gestaltete Anzeigen können eine Seriosität vortäuschen, die tatsächlich nicht vorhanden ist.

Durch moderne Bildbearbeitung und künstliche Intelligenz ist es zudem wesentlich einfacher geworden, täuschend echt wirkende Werbemittel zu produzieren.

Deshalb gilt auch bei vermeintlich bekannten Absendern: Nicht allein einem Logo oder einem Foto vertrauen.

Wer unsicher ist, sollte überprüfen, ob eine angebliche Empfehlung tatsächlich auf der offiziellen Internetseite der jeweiligen Organisation zu finden ist.

Nicht auf verdächtige Anzeigen klicken

Der ÖAMTC rät ausdrücklich davon ab, entsprechenden Werbungen Glauben zu schenken oder auf verdächtige Anzeigen und Links zu klicken.

Das ist auch deshalb wichtig, weil es bei dubiosen Angeboten nicht ausschließlich um den Kauf eines möglicherweise wirkungslosen Produktes gehen muss. Über externe Webseiten können unter Umständen auch persönliche Daten oder Zahlungsinformationen abgefragt werden.

Der ÖAMTC warnt aktuell generell vor gefälschten Nachrichten und Werbungen, bei denen der Name des Mobilitätsclubs missbräuchlich verwendet wird.

Warnzeichen bei verdächtigen Angeboten können sein:

  • außergewöhnlich hohe Einsparversprechen
  • angebliche Empfehlungen bekannter Organisationen ohne nachvollziehbare Quelle
  • künstlicher Zeitdruck wie „nur heute verfügbar“
  • extrem hohe Rabatte
  • unbekannte oder schwer überprüfbare Anbieter
  • fehlendes oder unvollständiges Impressum
  • ungewöhnliche Internetadressen
  • angebliche Expertenaussagen ohne nachvollziehbare Quelle
  • Aufforderungen zur schnellen Eingabe persönlicher oder finanzieller Daten

Gerade bei Versprechen, mit einem kleinen und günstigen Gerät zweistellige Prozentsätze beim Kraftstoffverbrauch einzusparen, ist besondere Skepsis angebracht.

Warum kann ein einfacher Stecker nicht plötzlich den Verbrauch massiv senken?

Moderne Motoren werden bereits sehr genau elektronisch gesteuert. Zahlreiche Sensoren überwachen unter anderem Temperatur, Luftmenge, Einspritzung, Verbrennung und Abgaswerte. Die Hersteller investieren enorme Summen in die Entwicklung möglichst effizienter Antriebe.

Ein universeller Stecker, der bei unterschiedlichsten Benzin- und Dieselmotoren verschiedener Hersteller ohne individuelle Abstimmung plötzlich enorme zusätzliche Einsparungen erzielen soll, wäre daher schon technisch eine außergewöhnliche Entwicklung.

Würde eine einfache und kostengünstige Technologie tatsächlich beispielsweise 15, 30 oder sogar 50 Prozent Kraftstoff einsparen, wäre sie für Fahrzeughersteller von enormem wirtschaftlichem Interesse.

Umso wichtiger ist es, außergewöhnliche Werbeversprechen auch mit entsprechend kritischem Blick zu betrachten.

Was wirklich hilft: So lässt sich Kraftstoff sparen

Die gute Nachricht: Autofahrer können ihren Verbrauch tatsächlich beeinflussen – allerdings weniger spektakulär als es die Werbung für Wundermittel verspricht.

1. Vorausschauend und gleichmäßig fahren

Einer der wichtigsten Faktoren ist der eigene Fahrstil. Wer ausreichend Abstand hält, muss weniger stark bremsen und anschließend wieder beschleunigen.

Eine möglichst gleichmäßige Geschwindigkeit spart Energie und damit Kraftstoff.

Starkes Beschleunigen, dichtes Auffahren und anschließendes Bremsen treiben dagegen den Verbrauch unnötig nach oben.

2. Frühzeitig hochschalten

Bei Fahrzeugen mit Schaltgetriebe empfiehlt der ÖAMTC, frühzeitig in einen höheren Gang zu wechseln. Moderne Motoren können in vielen Situationen problemlos mit niedriger Drehzahl betrieben werden.

Auch hier gilt: gleichmäßig fahren statt ständig stark zu beschleunigen.

3. Reifendruck regelmäßig überprüfen

Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist der richtige Reifendruck.

Zu wenig Luft erhöht den Rollwiderstand. Dadurch muss der Motor mehr Energie aufbringen, um das Fahrzeug zu bewegen. Gleichzeitig steigt der Reifenverschleiß und auch die Fahrsicherheit kann beeinträchtigt werden.

Wie groß der Unterschied sein kann, zeigte bereits eine Untersuchung des ÖAMTC: Bei einem Kompaktwagen führte ein um ein Bar zu niedriger Luftdruck an allen vier Reifen zu einem Mehrverbrauch von rund 0,2 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometer.

Der richtige Wert hängt vom jeweiligen Fahrzeug und teilweise auch von dessen Beladung ab. Die Herstellerangaben finden sich üblicherweise in der Betriebsanleitung, im Türbereich oder an der Tankklappe.

4. Unnötigen Ballast ausladen

Was über Wochen oder Monate im Kofferraum spazieren gefahren wird, muss bei jeder Beschleunigung mitbewegt werden.

Werkzeug, Getränkekisten oder andere schwere Gegenstände, die aktuell nicht benötigt werden, sollten daher nicht dauerhaft im Fahrzeug bleiben.

Jedes zusätzliche Gewicht benötigt Energie.

5. Dachbox und Dachträger nach Gebrauch entfernen

Noch stärker kann sich zusätzlicher Luftwiderstand bemerkbar machen.

Dachboxen, Fahrradträger oder andere Aufbauten verändern die Aerodynamik des Fahrzeugs. Besonders bei höheren Geschwindigkeiten steigt dadurch der Energiebedarf.

Wer Dachbox oder Träger nach dem Urlaub nicht mehr benötigt, sollte sie deshalb wieder demontieren.

6. Kurzstrecken möglichst vermeiden

Ein kalter Motor benötigt insbesondere während der Warmlaufphase mehr Kraftstoff.

Sehr kurze Fahrten sind deshalb vergleichsweise ineffizient. Wo es möglich und praktikabel ist, können kurze Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

7. Motor nicht unnötig im Leerlauf laufen lassen

Auch ein stehendes Auto verbraucht bei laufendem Verbrennungsmotor Kraftstoff.

Bei längeren Wartezeiten kann es deshalb sinnvoll sein, den Motor abzustellen – moderne Start-Stopp-Systeme übernehmen das in vielen Fahrzeugen ohnehin automatisch.

8. Klimaanlage und andere Verbraucher bewusst einsetzen

Klimaanlage, Sitzheizung, Heckscheibenheizung und andere elektrische Verbraucher benötigen Energie.

Natürlich sollte deswegen niemand bei großer Hitze auf eine notwendige Klimatisierung verzichten. Werden bestimmte Funktionen jedoch nicht mehr benötigt, können sie wieder ausgeschaltet werden.

9. Regelmäßige Wartung zahlt sich aus

Auch der technische Zustand eines Autos beeinflusst den Verbrauch.

Verschmutzte Luftfilter, verschlissene Zündkerzen oder technische Defekte können dazu führen, dass ein Fahrzeug mehr Kraftstoff benötigt als notwendig.

Regelmäßige Wartung ist deshalb nicht nur für Zuverlässigkeit und Lebensdauer des Autos wichtig, sondern kann auch helfen, unnötigen Mehrverbrauch zu vermeiden.

10. Den eigenen Verbrauch beobachten

Wer wirklich wissen möchte, ob sich sein Fahrstil verändert, kann den Kraftstoffverbrauch über einen längeren Zeitraum dokumentieren.

Dazu genügt es, beim Tanken Kilometerstand und getankte Kraftstoffmenge zu notieren. Auch der Bordcomputer kann hilfreiche Vergleichswerte liefern.

Wichtig sind längere Beobachtungszeiträume: Wetter, Kurzstrecken, Winterreifen, Beladung oder Autobahnfahrten können den Verbrauch einzelner Tankfüllungen deutlich beeinflussen.

Fazit: Beim „Wundermittel“ ist Skepsis angebracht

Die Vorstellung ist verlockend: Ein kleiner Stecker wird ins Auto gesteckt und schon sinkt die Tankrechnung deutlich.

Genau deshalb funktionieren solche Werbeversprechen so gut.

Die bisherigen Untersuchungen sprechen jedoch eine klare Sprache: Bei getesteten Spritspar-Dongles und anderen vermeintlichen Wundermitteln konnten die versprochenen Einsparungen nicht nachgewiesen werden.

Besonders vorsichtig sollte man aktuell bei Anzeigen sein, die mit dem Namen oder Erscheinungsbild des ÖAMTC werben. Der Mobilitätsclub betont ausdrücklich, dass er mit den derzeit beworbenen angeblichen Spritspargeräten in keiner Verbindung steht und diese nicht empfiehlt.

Wer weniger Kraftstoff verbrauchen möchte, braucht also kein Wundermittel. Vorausschauendes Fahren, korrekter Reifendruck, weniger unnötiges Gewicht, ein technisch gut gewartetes Fahrzeug und ein bewusster Umgang mit Geschwindigkeit und Beschleunigung sind zwar weniger spektakulär – dafür wirken sie tatsächlich.


Quellen: ÖAMTC – „ÖAMTC warnt vor irreführender Werbung zu angeblichen Spritspar-Wundermitteln“, 24. September 2026; ergänzende Informationen: ADAC – „Spritsparmittel und Spritspar-Dongles im Check“, Stand Juli 2026.

Originalmeldung des ÖAMTC
Technischer Test der Spritspar-Dongles beim ADAC

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