Ein Swimmingpool kann für kleine Wildtiere schnell zur tödlichen Falle werden. Zwei Igel aus Groß-Enzersdorf und Strasshof hatten Glück im Unglück: Sie wurden rechtzeitig aus Schwimmbecken gerettet und in die Eulen- und Greifvogelstation Haringsee gebracht. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN warnt vor einer zunehmenden Gefahr, besonders während der Herbstmonate, und erklärt, wie Gartenbesitzer mit einfachen Maßnahmen Tierleben retten können.
Zwei kleine Igel hatten großes Glück
Was für viele Menschen im Sommer eine willkommene Abkühlung bedeutet, kann für Igel und andere kleine Wildtiere lebensgefährlich werden.
Das zeigen zwei aktuelle Rettungsfälle aus dem Bezirk Gänserndorf.
In Groß-Enzersdorf und Strasshof waren innerhalb weniger Tage zwei Igel in private Swimmingpools gefallen. Obwohl die Tiere schwimmen können, gelang es ihnen nicht, die glatten Beckenwände zu überwinden und selbstständig wieder an Land zu gelangen.
Glücklicherweise bemerkten die Poolbesitzer die hilflosen Tiere rechtzeitig und brachten sie zur Eulen- und Greifvogelstation (EGS) Haringsee, die von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN geführt wird.
Dort wurden die beiden stacheligen Patienten untersucht und medizinisch erstversorgt.
Das Team gab ihnen die liebevollen Namen „Krümel“ und „Flocke“.
Krümel und Flocke erholen sich in Haringsee
Wie Dr. Hans Frey, Leiter der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee, berichtet, hatten beide Tiere großes Glück.
Bei der Untersuchung wurden weder schwere Verletzungen noch andere gravierende gesundheitliche Schäden festgestellt. Die beiden Igel konnten sich deshalb rasch von ihrem Schock erholen.
Dennoch unterscheiden sich ihre weiteren Aussichten.
Krümel: Mit 180 Gramm noch zu leicht für den Winter
Der kleine Krümel bringt gerade einmal 180 Gramm auf die Waage.
Aufgrund seines geringen Gewichts wird er voraussichtlich den Winter in der Station Haringsee verbringen.
Dort erhält er die notwendige Versorgung und kann sich unter fachkundiger Betreuung auf eine spätere Rückkehr in die Natur vorbereiten.
Flocke: Gute Chancen auf eine baldige Rückkehr in die Freiheit
Flocke ist mit rund 400 Gramm bereits deutlich schwerer.
Nach Einschätzung der Tierexperten könnte der kleine Igel noch im Laufe dieses Jahres wieder ausgewildert werden.
Ob und wann eine Freilassung möglich ist, hängt allerdings vom Gesundheitszustand, der weiteren Entwicklung und den äußeren Bedingungen ab.
Warum Swimmingpools für Igel so gefährlich sind
Igel sind durchaus in der Lage zu schwimmen. Das eigentliche Problem entsteht jedoch, wenn sie aus dem Wasser herausklettern möchten.
Viele Swimmingpools besitzen senkrechte, glatte Wände, an denen die kleinen Tiere keinen Halt finden.
Eine normale Poolleiter ist für einen Igel meist ebenfalls keine geeignete Ausstiegsmöglichkeit.
Die Tiere versuchen wiederholt, das Becken zu verlassen, verlieren dabei wertvolle Energie und erschöpfen zunehmend.
Besonders bei niedrigen Wassertemperaturen kann zusätzlich eine gefährliche Unterkühlung auftreten.
Ohne rechtzeitige Hilfe droht den Tieren schließlich das Ertrinken.
Die größte Gefahr besteht darin, dass solche Unfälle häufig unbemerkt bleiben.
Im Herbst steigt das Risiko besonders stark
Während der Sommermonate werden private Swimmingpools meist regelmäßig genutzt und kontrolliert.
Mit dem Herbst ändert sich das jedoch.
Die Temperaturen sinken, die Badesaison ist vorbei und viele Pools bleiben über längere Zeit unbeachtet.
Gleichzeitig sind Igel weiterhin auf Nahrungssuche und versuchen, ausreichende Energiereserven für ihren bevorstehenden Winterschlaf aufzubauen.
Dabei legen sie auf ihren nächtlichen Streifzügen durchaus größere Entfernungen zurück.
Ein offenes Schwimmbecken kann ihnen auf diesen Wegen zum Verhängnis werden.
Die Eulen- und Greifvogelstation Haringsee berichtet deshalb von einer Häufung solcher Rettungsfälle.
Besonders problematisch sind Pools ohne Abdeckung oder geeignete Ausstiegshilfe.
So können Poolbesitzer Igel und andere Kleintiere schützen
Bereits einfache Vorsichtsmaßnahmen können verhindern, dass ein Swimmingpool zur tödlichen Falle wird.
1. Eine geeignete Ausstiegshilfe installieren
Eine spezielle Tierrampe oder eine flach ins Wasser reichende Ausstiegshilfe ermöglicht es hineingefallenen Tieren, das Becken selbstständig zu verlassen.
Wichtig ist eine rutschfeste Oberfläche, die auch von kleinen Tieren problemlos erklommen werden kann.
Die Rampe sollte sicher befestigt sein und bis über den Beckenrand führen.
2. Swimmingpool zuverlässig abdecken
Besonders während der Herbst- und Wintermonate empfiehlt sich eine stabile, fachgerecht angebrachte Poolabdeckung.
Dabei ist darauf zu achten, dass Tiere nicht unter die Abdeckung gelangen oder auf einer ungeeigneten Plane einsinken und eingeklemmt werden können.
Eine sichere Abdeckung schützt nicht nur Wildtiere, sondern reduziert auch andere Unfallrisiken.
3. Pool regelmäßig kontrollieren
Auch außerhalb der Badesaison sollte regelmäßig überprüft werden, ob sich Tiere im Wasser befinden.
Das gilt insbesondere für offene Becken und Pools, die nicht vollständig gesichert sind.
4. Weitere Gefahrenquellen im Garten beseitigen
Nicht nur Swimmingpools können für Igel gefährlich werden.
Auch offene Kellerschächte, steile Lichtschächte, Regentonnen und tiefe Gruben stellen mögliche Fallen dar.
Mit passenden Abdeckungen oder sicheren Ausstiegsmöglichkeiten lassen sich viele dieser Gefahren vermeiden.
5. Den Garten igelfreundlich gestalten
Wer Igeln zusätzlich helfen möchte, kann naturnahe Bereiche erhalten.
Laubhaufen, heimische Sträucher, Hecken und geschützte Gartenbereiche bieten den Tieren Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten.
Besonders im Herbst sind ungestörte Verstecke wichtig, damit sich die Tiere auf ihren Winterschlaf vorbereiten können.
Was tun, wenn ein Igel im Swimmingpool entdeckt wird?
Wird ein Igel im Wasser entdeckt, sollte möglichst rasch, aber ohne Eigengefährdung gehandelt werden.
Das Tier kann beispielsweise mithilfe eines geeigneten Keschers oder eines anderen sicheren Hilfsmittels vorsichtig aus dem Wasser gehoben werden.
Anschließend sollte es in einer gut belüfteten Box mit einem weichen Handtuch an einen ruhigen, geschützten Ort gebracht werden.
Ein durchnässter oder unterkühlter Igel benötigt behutsame Wärme. Eine handwarme, in ein Tuch gewickelte Wärmeflasche kann dabei helfen, sofern das Tier jederzeit auf eine kühlere Seite der Box ausweichen kann.
Wichtig: Auch wenn der Igel äußerlich unverletzt erscheint, sollte nach einem längeren Aufenthalt im Wasser eine fachkundige Wildtierstation oder ein Tierarzt kontaktiert werden.
Unterkühlung, Erschöpfung oder eingeatmetes Wasser können gesundheitliche Probleme verursachen, die nicht sofort sichtbar sind.
Auf keinen Fall sollte ein geschwächter Igel einfach wieder im Garten ausgesetzt werden.
Eulen- und Greifvogelstation Haringsee: Hilfe für mehr als 2.000 Tiere
Die von VIER PFOTEN geführte Eulen- und Greifvogelstation Haringsee leistet seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zum Schutz verletzter und hilfsbedürftiger Wildtiere.
Allein im Jahr 2025 wurden dort 2.026 Tiere versorgt.
Neben Eulen und Greifvögeln kümmert sich das erfahrene Team auch um zahlreiche andere Wildtiere.
Dazu gehören unter anderem:
- Igel
- Eichhörnchen
- Fischotter
- Feldhasen
- Weitere heimische Kleinsäuger
Eine Besonderheit der Station ist die Aufzucht junger Eulen und Greifvögel durch Ammeneltern derselben Art.
Wenn möglich, werden verwaiste Jungvögel von erwachsenen Artgenossen großgezogen. Dadurch können sie wichtige natürliche Verhaltensweisen erlernen.
Ziel der Arbeit ist es, möglichst viele Tiere nach erfolgreicher Pflege wieder in ihren natürlichen Lebensraum zu entlassen.
Die Station ist damit auch für den Bezirk Gänserndorf und die umliegenden Regionen eine wichtige Einrichtung des heimischen Tierschutzes.
Mehr Rücksicht auf unsere stacheligen Gartenbewohner
Igel gehören zu den bekanntesten heimischen Wildtieren und sind gern gesehene Besucher in naturnahen Gärten.
Sie ernähren sich vor allem von Insekten, Käfern, Würmern und anderen kleinen Wirbellosen.
Als nachtaktive Tiere bleiben sie für viele Gartenbesitzer allerdings häufig unbemerkt.
Gerade deshalb ist es wichtig, mögliche Gefahrenquellen frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen.
Ein gesicherter Swimmingpool, eine abgedeckte Regentonne oder ein geschützter Laubhaufen können bereits einen großen Unterschied machen.
Fazit: Kleine Maßnahmen können Tierleben retten
Die Rettung von Krümel und Flocke aus Groß-Enzersdorf und Strasshof zeigt, wie schnell ein gewöhnlicher Swimmingpool für heimische Wildtiere zur lebensgefährlichen Falle werden kann.
Dank aufmerksamer Gartenbesitzer und der raschen Hilfe der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee haben beide Igel überlebt.
Doch nicht jedes Tier hat dieses Glück.
Mit geeigneten Ausstiegshilfen, sicheren Poolabdeckungen und regelmäßigen Kontrollen können Gartenbesitzer dazu beitragen, solche Unfälle zu verhindern.
Denn ein tierfreundlicher Garten beginnt oft mit ganz einfachen Vorsichtsmaßnahmen – und manchmal retten diese sogar Leben.
Quelle: VIER PFOTEN Österreich, Presseaussendung vom 8. Oktober 2026: Immer mehr Igel müssen aus Swimmingpools gerettet werden


