Mehr Notfallsanitäter, zusätzliche Investitionen ins Rettungswesen, neue Primärversorgungseinheiten und digitale Angebote für Patienten: Niederösterreich treibt die Umsetzung des Gesundheitsplans 2040+ weiter voran. Die langfristig angelegte Reform soll die medizinische und pflegerische Versorgung an die Herausforderungen der kommenden Jahre anpassen.

Der Gesundheitsplan 2040+ soll die Gesundheitsversorgung in Niederösterreich langfristig neu ausrichten. Eineinhalb Jahre nach der Präsentation des Plans zieht die Landesregierung nun eine erste Zwischenbilanz und kündigt weitere konkrete Umsetzungsschritte an.
Dabei geht es nicht nur um die Landeskliniken. Auch Rettungswesen, wohnortnahe medizinische Versorgung, Digitalisierung und neue Versorgungsformen spielen eine wesentliche Rolle.
Mehr als eine halbe Milliarde Euro zusätzlich
Nach Angaben von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sollen in den kommenden beiden Jahren mehr als eine halbe Milliarde Euro zusätzlich für den Gesundheitsbereich ausgegeben werden. Das entspreche laut Land einem Plus von mehr als 20 Prozent.
Der Gesundheitsplan 2040+ soll dabei als langfristiger Fahrplan dienen. Hintergrund sind unter anderem die alternde Bevölkerung und ein steigender Bedarf an spezialisierten medizinischen Leistungen.
Rettungswesen wird neu aufgestellt 🚑
Einer der Schwerpunkte liegt auf der Notfallversorgung. Künftig sollen 21 Notarztstützpunkte und 86 Rettungswagenstützpunkte mit Notfallsanitätern das Fundament der Versorgung bilden.
Gleichzeitig will das Land bis 2028 zusätzliche 20 Millionen Euro in das Rettungswesen investieren.
Auch die Zahl professioneller Ersthelfer soll steigen: von derzeit rund 1.200 auf mindestens 1.500 Personen. Ergänzt werden soll das System unter anderem durch Rettungshubschrauber und den Telenotarzt.
Das Ziel dahinter ist einfach: Bei einem medizinischen Notfall soll möglichst schnell die passende medizinische Hilfe beim Patienten eintreffen.
Primärversorgung soll weiter ausgebaut werden 🩺
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Gesundheitsplans sind die Primärversorgungseinheiten.
Derzeit gibt es nach Angaben des Landes 16 Primärversorgungseinheiten in Niederösterreich. Bis 2028 soll zumindest in jeder Bezirkshauptstadt eine solche Einrichtung vorhanden sein. Langfristiges Ziel sind insgesamt 30 Primärversorgungseinheiten.
In diesen Zentren arbeiten beispielsweise Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten gemeinsam unter einem Dach. Dadurch sollen Patienten für bestimmte Behandlungen schneller eine Anlaufstelle finden und nicht automatisch ein Krankenhaus aufsuchen müssen.
HerzMobil wird weiter ausgebaut ❤️
Auch neue Formen der Betreuung außerhalb des Krankenhauses spielen eine Rolle.
Das Projekt HerzMobil begleitet Menschen mit Herzschwäche in ihrem eigenen Zuhause. Nach der Thermenregion und dem Weinviertel soll das Angebot Anfang 2027 auch im Waldviertel starten.
Damit soll medizinische Betreuung stärker dort stattfinden können, wo die Menschen leben.
Mehr moderne Technik in den Kliniken
Parallel dazu setzt Niederösterreich auf eine stärkere Spezialisierung seiner Klinikstandorte und moderne Medizintechnik.
Operationsroboter kommen bereits an mehreren Standorten zum Einsatz. Im Jahr 2027 soll auch das Klinikum Horn einen OP-Roboter erhalten.
Auch tagesklinische Eingriffe sollen stärker genutzt werden. Bei diesen kommen Patienten morgens ins Krankenhaus, werden behandelt oder operiert und können – sofern medizinisch möglich – noch am selben Tag wieder nach Hause.
Landesweit werden laut NÖ Landesgesundheitsagentur bereits rund 44.000 tageschirurgische Eingriffe durchgeführt.
Krankenhausinformationen künftig am Handy 📱
Eine für viele Patienten unmittelbar spürbare Veränderung soll die Digitalisierung bringen.
Über das neue NÖ Patientenportal sollen künftig unter anderem Befunde, Arztbriefe und Röntgenbilder digital abrufbar sein. Dadurch sollen Papierwege reduziert und medizinische Unterlagen einfacher zugänglich werden.
Gerade nach einem Krankenhausaufenthalt könnte das den Alltag erleichtern: Statt Unterlagen ausschließlich in Papierform mitnehmen und weitergeben zu müssen, sollen wichtige Dokumente digital verfügbar werden.
Neue Station für Patienten, die noch nicht nach Hause können
Ein weiteres Versorgungsmodell startet in Waidhofen an der Thaya.
Dort entsteht eine von Pflegefachkräften geführte Station für Menschen, die keine akute medizinische Behandlung im Krankenhaus mehr benötigen, gleichzeitig aber noch nicht nach Hause zurückkehren können.
Solche Übergangsangebote sollen einerseits Patienten gezielter betreuen und andererseits Krankenhauskapazitäten für jene Menschen verfügbar halten, die tatsächlich eine Akutbehandlung benötigen.
Warum Niederösterreich sein Gesundheitssystem umbaut
Eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre ist die demografische Entwicklung.
So wird beispielsweise für die Gesundheitsregion NÖ Mitte erwartet, dass die Zahl der 85-Jährigen bis 2040 um rund 70 Prozent steigt, während gleichzeitig die Zahl der Geburten zurückgeht.
Eine älter werdende Bevölkerung benötigt andere medizinische und pflegerische Angebote als heute. Gleichzeitig müssen Fachkräfte, Spitalskapazitäten und spezialisierte Behandlungen sinnvoll über die Regionen verteilt werden.
Genau hier setzt der Gesundheitsplan 2040+ an: Leistungen sollen stärker gebündelt, wohnortnahe Angebote ausgebaut und unterschiedliche Gesundheitseinrichtungen besser miteinander vernetzt werden.
Große Veränderungen bis 2040
Viele Maßnahmen des Gesundheitsplans sind bereits angelaufen, andere werden erst in den kommenden Jahren umgesetzt.
Für die Bevölkerung wird daher entscheidend sein, wie sich die Reform in der Praxis entwickelt: Wie gut funktioniert die Notfallversorgung? Werden Wartezeiten tatsächlich kürzer? Sind Primärversorgungseinheiten ausreichend erreichbar? Und gelingt es, spezialisierte medizinische Versorgung trotz stärkerer Bündelung für die Menschen in allen Regionen gut zugänglich zu halten?
Der Gesundheitsplan 2040+ ist jedenfalls kein kurzfristiges Projekt. Er soll die niederösterreichische Gesundheitslandschaft über viele Jahre hinweg verändern und auf die Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft vorbereiten.
Quelle: Land Niederösterreich, Informationen zum Gesundheitsplan 2040+ und zur weiteren Umsetzung, Oktober 2026.
Originalmeldung des Landes Niederösterreich


