Freiwilliges Engagement ist eine wichtige Grundlage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Niederösterreich. Rund 800.000 Menschen engagieren sich in mehr als 25.000 Vereinen. Wie dieses Engagement auch in Zukunft erhalten und insbesondere für junge Menschen attraktiv gestaltet werden kann, stand im Mittelpunkt eines Zukunftsgesprächs in Groß-Siegharts.
Ehrenamt als wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens
Ob bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Sport- und Kulturvereinen, bei sozialen Einrichtungen oder in der Nachbarschaftshilfe: Tausende Menschen in Niederösterreich investieren regelmäßig ihre Freizeit, um anderen zu helfen und das Gemeinschaftsleben aktiv mitzugestalten.
Beim vierten Zukunftsgespräch der Initiative „Mein Land denkt an morgen“ beschäftigten sich Fachleute aus Wissenschaft, Kultur, Sozialbereich und Einsatzorganisationen mit der Zukunft des freiwilligen Engagements.
Die Veranstaltung fand in Groß-Siegharts statt und stand unter dem Titel „Ehrenamt und Freiwilligenwesen – Wie wir den Zusammenhalt von morgen gestalten“.
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Ulrich Achleitner diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit dem Publikum über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Möglichkeiten.
Mehr als 30 Prozent der Niederösterreicher ehrenamtlich aktiv
Wie stark das freiwillige Engagement in Niederösterreich verankert ist, zeigen aktuelle Befragungsergebnisse der Zukunftsinitiative.
Demnach gaben mehr als 30 Prozent der befragten Menschen in Niederösterreich an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate ehrenamtlich tätig gewesen zu sein.
Im österreichweiten Vergleich liegt dieser Wert bei 28 Prozent.
Politikwissenschafter Peter Filzmaier präsentierte die Ergebnisse und verwies darauf, dass die Bereitschaft zur freiwilligen Mitarbeit keineswegs selbstverständlich sei.
Eine zentrale Herausforderung bestehe darin, auch zukünftige Generationen für das Ehrenamt zu begeistern.
Dabei spielen die persönlichen Lebensumstände, verfügbare Freizeit und die Möglichkeit, sich unkompliziert einzubringen, eine wichtige Rolle.
Über 25.000 Vereine prägen Niederösterreich
Vereine sind vielerorts das Herzstück des gesellschaftlichen Lebens. Sie organisieren Veranstaltungen, fördern sportliche und kulturelle Aktivitäten, unterstützen Menschen in schwierigen Situationen und schaffen Begegnungsmöglichkeiten zwischen den Generationen.
Nach Angaben des Landes engagieren sich rund 800.000 Menschen in mehr als 25.000 Vereinen in Niederösterreich.
Martin Lammerhuber, Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederösterreich, hob hervor, dass freiwilliges Engagement auch eine wichtige Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung darstellt.
Wer in einem Verein mitarbeitet, erwirbt häufig wertvolle Fähigkeiten wie Teamarbeit, Organisationstalent, Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit.
Diese Erfahrungen können nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im Berufsleben von Bedeutung sein.
Junge Menschen für das Ehrenamt begeistern
Ein besonders wichtiger Schwerpunkt der Diskussion war die Nachwuchsarbeit.
Viele Vereine und Organisationen stehen vor der Herausforderung, neue Mitglieder zu gewinnen und langfristig für ihre Aufgaben zu begeistern.
Niederösterreichs Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Feuerwehrjugend.
Junge Menschen lernen dort frühzeitig, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und sich für andere einzusetzen.
Solche Erfahrungen stärken nicht nur die Einsatzorganisationen, sondern fördern auch soziale Kompetenzen und das Gemeinschaftsgefühl.
Für die Zukunft wird es entscheidend sein, jungen Menschen attraktive und zeitgemäße Möglichkeiten zur freiwilligen Mitarbeit anzubieten.
Freiwilliges Engagement muss flexibler werden
Nicht jeder Mensch kann sich über viele Jahre hinweg regelmäßig an einen Verein oder eine Organisation binden.
Berufliche Verpflichtungen, Familie und persönliche Lebensumstände machen langfristige Zusagen oftmals schwierig.
Deshalb wurde beim Zukunftsgespräch auch darüber diskutiert, wie freiwillige Mitarbeit flexibler gestaltet werden kann.
Elisabeth Engstler, Fernsehmoderatorin und Schirmherrin von MOKI Niederösterreich, betonte die Bedeutung kleiner persönlicher Beiträge.
Schon wenige Stunden Zeit, ein offenes Ohr oder praktische Unterstützung können für andere Menschen eine große Hilfe darstellen.
Künftig könnten daher zeitlich begrenzte Projekte, einzelne Hilfseinsätze oder die Weitergabe persönlicher Fähigkeiten eine noch wichtigere Rolle spielen.
Freiwilligencenter Niederösterreich unterstützt Vereine
Um ehrenamtliches Engagement zu fördern, setzt Niederösterreich bereits seit vielen Jahren auf verschiedene Unterstützungsangebote.
Eine zentrale Anlaufstelle ist das Freiwilligencenter Niederösterreich, das vor 25 Jahren gegründet wurde.
Es unterstützt Vereine und freiwillig engagierte Menschen und trägt dazu bei, das Ehrenamt im Bundesland weiterzuentwickeln.
Neben organisatorischen Rahmenbedingungen spielen auch Anerkennung, Wertschätzung und der Austausch zwischen den Organisationen eine wichtige Rolle.
Denn freiwillige Mitarbeit ist zwar unbezahlt, für das gesellschaftliche Zusammenleben jedoch von großem Wert.
Auch im Marchfeld und Bezirk Gänserndorf unverzichtbar
Wie wichtig das Ehrenamt ist, zeigt sich auch in den Gemeinden des Marchfelds und im gesamten Bezirk Gänserndorf.
Freiwillige Feuerwehren, Rettungsorganisationen, Sportvereine, Musikvereine, Kulturinitiativen und zahlreiche weitere Einrichtungen leisten einen wesentlichen Beitrag zum regionalen Zusammenleben.
Viele Veranstaltungen, Freizeitangebote und gemeinschaftliche Aktivitäten wären ohne den persönlichen Einsatz engagierter Bürgerinnen und Bürger nur schwer umsetzbar.
Besonders in kleineren Gemeinden sorgen Vereine dafür, dass Menschen miteinander in Kontakt bleiben, gemeinsame Interessen verfolgen und sich gegenseitig unterstützen.
Das Ehrenamt stärkt damit nicht nur einzelne Organisationen, sondern auch das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Region.
Zukunftsinitiative sammelt Ideen für die kommenden Jahre
Das Treffen in Groß-Siegharts war das vierte von insgesamt fünf Zukunftsgesprächen, die 2026 in verschiedenen Regionen Niederösterreichs stattfinden.
Die Initiative „Mein Land denkt an morgen“ beschäftigt sich mit langfristigen gesellschaftlichen Entwicklungen und möglichen Herausforderungen für das Bundesland.
Die Erkenntnisse aus den Diskussionen, wissenschaftlichen Untersuchungen und Rückmeldungen der Bevölkerung sollen in die weitere Arbeit einfließen.
Friedrich Faulhammer, Leiter der Zukunftsinitiative, unterstrich dabei die Bedeutung geeigneter Rahmenbedingungen, damit Menschen auch künftig bereit sind, Verantwortung für andere zu übernehmen.
Ehrenamt bleibt eine wichtige Säule der Gemeinschaft
Die Ergebnisse des Zukunftsgesprächs zeigen, dass freiwilliges Engagement in Niederösterreich einen hohen Stellenwert besitzt.
Gleichzeitig stehen Vereine und Organisationen vor der Aufgabe, sich an veränderte Lebensbedingungen anzupassen und neue Formen der Mitarbeit zu ermöglichen.
Flexible Angebote, gezielte Nachwuchsarbeit und gesellschaftliche Anerkennung können dazu beitragen, dass sich auch in Zukunft viele Menschen freiwillig engagieren.
Denn unabhängig davon, ob jemand regelmäßig in einem Verein mitarbeitet oder gelegentlich Nachbarschaftshilfe leistet: Jeder freiwillige Beitrag kann das Zusammenleben in einer Gemeinde bereichern.
Weitere Informationen: Zukunftsinitiative „Mein Land denkt an morgen“
Quelle: Land Niederösterreich – Ehrenamt und Zusammenhalt


