Hitzeperioden, Starkregen, Hochwasser oder anhaltende Trockenheit sind längst nicht mehr ausschließlich ein Thema für Landwirtschaft und Gemeinden. Auch Unternehmen können unmittelbar betroffen sein – durch Schäden an Gebäuden, überhitzte Arbeitsplätze, Produktionsausfälle oder unterbrochene Lieferketten. In Niederösterreich gibt es deshalb ein neues Beratungsangebot, das Betriebe dabei unterstützen soll, mögliche Klimarisiken frühzeitig zu erkennen und geeignete Vorsorgemaßnahmen zu entwickeln.

Das Land Niederösterreich und die Wirtschaftskammer Niederösterreich haben die bestehende Ökologische Betriebsberatung um den neuen Schwerpunkt „Klimawandelanpassung“ erweitert.
Seit Mitte September können Unternehmen dieses Angebot nutzen und gemeinsam mit Expertinnen und Experten untersuchen, wo der eigene Betrieb besonders anfällig gegenüber den Folgen veränderter klimatischer Bedingungen ist.
Dabei geht es nicht um theoretische Zukunftsszenarien, sondern um ganz praktische Fragen: Was passiert beispielsweise, wenn Starkregen das Betriebsgelände trifft? Wie gut sind Gebäude auf längere Hitzeperioden vorbereitet? Können Mitarbeitende bei großer Hitze weiterhin sicher arbeiten? Und was passiert mit dem Unternehmen, wenn wichtige Lieferanten aufgrund eines Extremwetterereignisses ausfallen?
Klimarisiken können nahezu jeden Betrieb treffen
Auf den ersten Blick denkt man bei den Folgen des Klimawandels häufig an Landwirtschaft, Hochwasserschutz oder Wälder. Tatsächlich können die Auswirkungen aber Unternehmen nahezu aller Branchen betreffen.
Ein Einzelhandelsbetrieb kann beispielsweise durch ein überflutetes Lager betroffen sein. In einer Werkstatt oder Produktionshalle können hohe Temperaturen die Arbeitsbedingungen erheblich verschlechtern. Gastronomie- und Tourismusbetriebe sind möglicherweise auf eine sichere Wasserversorgung angewiesen, während andere Unternehmen besonders empfindlich auf Unterbrechungen bei Stromversorgung, Transport oder Lieferketten reagieren.
Hinzu kommen Schäden durch Hagel, Starkregen oder Hochwasser.
Aus einem Wetterereignis kann damit sehr schnell ein wirtschaftliches Problem werden.
Vorsorge kann Schäden und Ausfallzeiten reduzieren
Genau an diesem Punkt setzt die neue Beratung an.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner verweist darauf, dass sich ein starker Wirtschaftsstandort auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen müsse. Rechtzeitige Vorsorge könne Betriebe, Arbeitsplätze und Gemeinden schützen.
Auch LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf sieht angesichts von Hochwasser, Hitze und Trockenheit bereits konkrete Auswirkungen in Niederösterreich. Neben Investitionen beispielsweise in die Wasserversorgung sollen deshalb auch Unternehmen und Gemeinden dabei unterstützt werden, Risiken zu erkennen und entsprechende Maßnahmen umzusetzen.
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker betont wiederum den praktischen Aspekt: Für Unternehmen gehe es bei der Klimawandelanpassung um sichere Standorte, funktionierende Abläufe und den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Erster Schritt: Der Klima-Risiko-Check für den Betrieb
Für Unternehmen, die zunächst wissen möchten, wo ihre größten Risiken liegen, gibt es eine Kurzberatung.
Gemeinsam mit Expertinnen und Experten wird dabei untersucht, wie stark ein Betrieb von verschiedenen Gefahren betroffen sein könnte.
Dazu gehören unter anderem:
- Hitze und längere Hitzeperioden
- Trockenheit und mögliche Wasserknappheit
- Starkregen
- Hagel
- Hochwasser
- Gefahren für Gebäude und Infrastruktur
- Belastungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- Störungen von Betriebs- und Produktionsabläufen
- mögliche Probleme innerhalb der Lieferketten
Dabei wird der Betrieb als Ganzes betrachtet. Nicht nur das Gebäude oder Grundstück spielt eine Rolle, sondern auch Infrastruktur, Beschäftigte, Geschäftsprozesse und Lieferwege.
Am Ende sollen jene Bereiche sichtbar werden, bei denen Handlungsbedarf besteht.
Bis zu acht Stunden Beratung zu 100 Prozent gefördert
Interessant für niederösterreichische Unternehmen ist vor allem die Förderung.
Bei der Kurzberatung werden bis zu acht Beratungsstunden zu 100 Prozent gefördert. Der zugrunde gelegte Stundensatz beträgt 110 Euro exklusive Umsatzsteuer.
Damit können Betriebe zunächst einen umfassenden Blick auf mögliche Klimarisiken werfen, ohne die gesamten Beratungskosten selbst tragen zu müssen.
Ergibt dieser erste Check weiteren Handlungsbedarf, kann anschließend eine ausführlichere Beratung erfolgen.
Schwerpunktberatung geht einen Schritt weiter
Die sogenannte Schwerpunktberatung ist für Unternehmen gedacht, die ihre Risiken genauer analysieren oder bereits eine konkrete Maßnahme planen möchten.
Das kann beispielsweise die Erstellung eines Hitzeschutzplans für einen Betriebsstandort sein.
Aus der Analyse sollen konkrete Anpassungsmaßnahmen und ein grober Maßnahmenplan entstehen.
Bei dieser Beratung können bis zu 20 Beratungsstunden mit maximal 55 Euro pro Stunde exklusive Umsatzsteuer gefördert werden.
Damit geht es nicht mehr nur um die Frage „Wo könnte unser Betrieb gefährdet sein?“, sondern zunehmend um die praktische Umsetzung.
Von Verschattung bis Hochwasserschutz
Die möglichen Maßnahmen unterscheiden sich naturgemäß stark von Betrieb zu Betrieb.
Ein Unternehmen in einem hochwassergefährdeten Bereich benötigt andere Lösungen als eine Produktionshalle, die sich während längerer Hitzeperioden stark aufheizt.
Mögliche Maßnahmen sind beispielsweise Hochwasser- und Starkregenschutz, Begrünungen, Verschattung, Entsiegelung von Flächen oder ein verbessertes Regenwassermanagement.
Aber auch organisatorische Veränderungen können sinnvoll sein.
Bei großer Hitze können beispielsweise Arbeitsplätze oder Arbeitszeiten angepasst werden. Unternehmen können außerdem prüfen, welche betrieblichen Prozesse besonders kritisch sind und wo ein Ausfall besonders schwerwiegende Folgen hätte.
Auch Lieferketten gehören zur Betrachtung: Ist ein Unternehmen von einem einzigen Lieferanten abhängig, kann ein Extremwetterereignis an einem völlig anderen Ort plötzlich Auswirkungen auf den eigenen Betrieb haben.
Klimaanpassung muss nicht immer ein eigenes Großprojekt sein
Ein interessanter Ansatz des neuen Beratungsangebotes ist die Verbindung mit ohnehin geplanten Investitionen.
Nicht jede Maßnahme zur Klimaanpassung muss als eigenes großes Projekt umgesetzt werden.
Steht beispielsweise eine Gebäudesanierung an, können Verschattung, Begrünung oder Maßnahmen gegen Überhitzung möglicherweise gleich mitgeplant werden.
Wird ein Parkplatz oder Betriebsgelände erneuert, können Entsiegelung und Regenwassermanagement berücksichtigt werden.
Bei Umbauten können technische Einrichtungen oder empfindliche Lagerbereiche so positioniert werden, dass das Schadensrisiko bei Starkregen oder Hochwasser sinkt.
Damit kann Klimaanpassung Teil ohnehin notwendiger Investitionen werden.
Auch für kleinere Unternehmen interessant
Gerade kleinere und mittlere Unternehmen verfügen häufig nicht über eigene Fachabteilungen, die sich ausführlich mit Klimarisiken, Gebäudeschutz oder komplexen Lieferketten beschäftigen können.
Für sie kann ein externer Blick besonders hilfreich sein.
Denn manche Risiken werden im täglichen Betrieb leicht übersehen.
Was passiert beispielsweise, wenn der Serverraum während einer Hitzeperiode überhitzt? Wie lange kann ein Betrieb ohne Wasserversorgung weiterarbeiten? Sind wichtige Maschinen oder Waren in einem Keller untergebracht? Können Kunden oder Mitarbeiter den Standort nach einem Starkregenereignis noch erreichen?
Solche Fragen wirken zunächst nebensächlich – bis tatsächlich ein Extremwetterereignis eintritt.
Klimaanpassung ist auch wirtschaftliche Vorsorge
Bei Klimaanpassung geht es daher nicht ausschließlich um Umwelt- oder Klimapolitik.
Für Unternehmen ist sie zunehmend auch ein Teil des klassischen Risikomanagements.
Ein Produktionsstillstand, beschädigte Waren, überflutete Geschäftsräume oder tagelange Betriebsunterbrechungen können erhebliche Kosten verursachen.
Dazu kommen mögliche Schäden an Maschinen, Gebäuden und Infrastruktur sowie Umsatzausfälle.
Je früher kritische Punkte erkannt werden, desto eher können Unternehmen überlegen, welche Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind.
Bereits große Nachfrage nach ökologischer Betriebsberatung
Das neue Angebot baut auf der bereits bestehenden Ökologischen Betriebsberatung von Land Niederösterreich und Wirtschaftskammer Niederösterreich auf.
Dass entsprechende Beratungsangebote von Unternehmen angenommen werden, zeigen die Zahlen aus dem vergangenen Jahr.
2025 wurden insgesamt 478 Beratungen durchgeführt. Das Fördervolumen belief sich dabei auf rund 815.000 Euro.
Mit dem neuen Schwerpunkt Klimawandelanpassung wird das bestehende Angebot nun um einen Bereich erweitert, der für Unternehmen in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen dürfte.
Vom Reagieren zum rechtzeitigen Vorsorgen
Extremwetterereignisse lassen sich nicht verhindern. Ihre Auswirkungen auf einen Betrieb können aber zumindest teilweise reduziert werden.
Genau darin liegt der wesentliche Gedanke hinter dem neuen Beratungsangebot.
Unternehmen sollen nicht erst nach einem Schaden überlegen müssen, was sie anders hätten machen können. Stattdessen können mögliche Schwachstellen bereits vorher erkannt werden.
Manchmal reichen vergleichsweise einfache Veränderungen. In anderen Fällen sind größere Investitionen notwendig. Entscheidend ist zunächst zu wissen, wo das eigene Risiko überhaupt liegt.
Fazit: Ein genauer Blick auf den eigenen Betrieb kann sich lohnen
Hitze, Trockenheit, Starkregen, Hagel und Hochwasser werden zunehmend auch zu wirtschaftlichen Risikofaktoren.
Für Unternehmen bedeutet Vorsorge deshalb nicht nur Schutz vor den Folgen des Klimawandels, sondern gleichzeitig Schutz von Arbeitsplätzen, Betriebsabläufen, Gebäuden und Investitionen.
Das neue Beratungsangebot von Land Niederösterreich und Wirtschaftskammer Niederösterreich bietet Betrieben die Möglichkeit, ihre individuelle Situation professionell beurteilen zu lassen.
Besonders die zu 100 Prozent geförderte Kurzberatung mit bis zu acht Stunden bietet einen vergleichsweise unkomplizierten Einstieg.
Denn am Ende gilt auch für Unternehmen: Ein Risiko, das man rechtzeitig kennt, lässt sich wesentlich besser bewältigen als eines, das einen unvorbereitet trifft.
Quelle: Land Niederösterreich – „Neue Beratung stärkt Betriebe gegen Klimafolgen“, Landeskorrespondenz vom 5. Oktober 2026.
Originalmeldung des Landes Niederösterreich


