Laub entfernen, Stauden zurückschneiden und den Garten noch einmal gründlich aufräumen? Was für viele Gartenbesitzer im Herbst selbstverständlich ist, kann Igeln, Insekten und Vögeln wichtige Winterquartiere und Nahrungsquellen nehmen. Gerade jetzt im Oktober lässt sich mit wenigen Handgriffen aus dem eigenen Garten ein wertvoller Rückzugsort für heimische Wildtiere machen – und manchmal besteht die beste Hilfe ganz einfach darin, etwas liegen zu lassen.

Wenn die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, beginnt in vielen Gärten das große Aufräumen.
Laub wird zusammengerecht, verblühte Stauden werden abgeschnitten, Äste entsorgt und Beete für den Winter „sauber“ gemacht.
Doch aus Sicht vieler Wildtiere ist ein perfekt aufgeräumter Garten alles andere als perfekt.
Denn genau das, was wir Menschen häufig als Unordnung empfinden, ist für zahlreiche Tiere ein wichtiger Lebensraum.
Ein Laubhaufen kann zum Winterquartier werden, hohle Pflanzenstängel bieten Insekten Schutz und verblühte Samenstände liefern Vögeln Nahrung.
Der Naturschutzbund Österreich bringt es für den Herbst deshalb auf eine einfache Formel: Weniger ist mehr.
🦔 Igel suchen jetzt ein Winterquartier
Besonders wichtig sind naturnahe Gartenecken für Igel.
Im Herbst müssen sich die Tiere ausreichend Reserven für ihren Winterschlaf anfressen und gleichzeitig einen geeigneten, geschützten Platz finden.
Igel bauen ihre Winternester unter anderem unter Hecken sowie in Laub-, Reisig- und Asthaufen. Dafür verwenden sie Laub, Gras und anderes Pflanzenmaterial.
Ein großer Laubhaufen in einer ruhigen Ecke des Gartens kann deshalb wesentlich wertvoller sein, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Wer einen solchen Haufen angelegt hat, sollte ihn während des Winters möglichst nicht mehr umschichten.
Denn möglicherweise schläft darin bereits ein stacheliger Gartenbewohner.
🍁 Laub ist kein Abfall
Gerade beim Herbstlaub lohnt sich ein Umdenken.
Natürlich muss Laub dort entfernt werden, wo es rutschig oder problematisch werden kann – beispielsweise auf Wegen.
Doch es muss deshalb nicht aus dem Garten verschwinden.
Unter Sträuchern, Hecken und in ruhigen Gartenecken kann Laub einfach liegen bleiben. Alternativ lässt sich daraus ein größerer Laubhaufen anlegen und mit Reisig sichern.
Davon profitieren nicht nur Igel.
Auch Insekten, Spinnen, Asseln, Würmer und andere Kleintiere finden zwischen den Blättern Schutz. Diese wiederum sind eine wichtige Nahrungsquelle für andere Gartenbewohner.
Auch Beete können teilweise mit Falllaub bedeckt werden. Die Blätter schützen den Boden und bieten zahlreichen Bodenlebewesen Lebensraum.
Aus vermeintlichem Gartenabfall wird damit ein kleines Winterhotel.
✂️ Stauden im Herbst nicht komplett zurückschneiden
Auch bei Stauden und Gräsern darf die Gartenschere im Herbst öfter Pause machen.
Verblühte Pflanzen sehen vielleicht nicht mehr so ordentlich aus wie während der Blütezeit, erfüllen aber weiterhin wichtige Aufgaben.
In hohlen Pflanzenstängeln und anderen Pflanzenteilen können Insekten überwintern.
Samenstände wiederum dienen verschiedenen Vogelarten während der kalten Jahreszeit als natürliche Nahrungsquelle.
Stieglitze und andere Körnerfresser suchen beispielsweise gezielt nach Samen.
Wer Stauden und Gräser bis ins Frühjahr stehen lässt, schafft damit gleichzeitig Nahrung und Unterschlupf.
Und auch optisch können mit Raureif oder Schnee bedeckte Gräser und Samenstände im Winter durchaus ihren Reiz haben.
🪵 Totholz darf im Garten bleiben
Ein alter Ast muss nicht automatisch in der Biotonne oder beim Grünschnitt landen.
Totholz gehört zu den wertvollsten Strukturen eines naturnahen Gartens.
Käfer, Spinnen und zahlreiche andere kleine Lebewesen nutzen morsches Holz als Lebensraum. Auch ein Reisighaufen oder Holzstoß kann vielen Tieren Schutz bieten.
Wer genügend Platz hat, kann deshalb bewusst eine kleine „wilde Ecke“ einrichten.
Dort dürfen Äste, Holz und Laub liegen bleiben.
Sie muss weder groß noch besonders schön gestaltet sein. Entscheidend ist, dass sie möglichst wenig gestört wird.
🐞 Auch Insekten brauchen ein Winterquartier
Beim Thema Insektenschutz denken viele zunächst an Blumen und Blüten im Sommer.
Doch auch im Winter brauchen Insekten geeignete Lebensräume.
Je nach Art überwintern sie beispielsweise in Pflanzenstängeln, Totholz, Laub, im Boden oder in anderen geschützten Hohlräumen.
Wer im Herbst jeden Pflanzenrest entfernt, nimmt damit möglicherweise auch überwinternden Insekten ihren Schutz.
Deshalb ist es sinnvoll, einen Teil der abgestorbenen Pflanzen bis weit ins Frühjahr stehen zu lassen.
Davon profitieren letztlich auch Vögel und andere Tiere, für die Insekten eine wichtige Nahrungsquelle darstellen.
🐦 Samenstände werden zur natürlichen Vogelfutterstelle
Ein naturnaher Garten kann für Vögel im Winter zu einer großen Speisekammer werden.
Samen von Stauden und Gräsern, Beeren heimischer Sträucher sowie Insekten und andere Kleintiere bieten natürliche Nahrung.
Auch Laubhaufen sind für Vögel interessant. Zwischen den Blättern können sie nach Asseln, Schnecken und anderen Kleintieren suchen.
Wer seinen Garten abwechslungsreich gestaltet und nicht vollständig „winterlich leer räumt“, schafft deshalb automatisch verschiedene Nahrungsangebote.
Zusätzliche Vogelfütterung kann vor allem bei Frost und geschlossener Schneedecke helfen.
BirdLife Österreich empfiehlt, bereits im Laufe des Oktobers mit der Winterfütterung zu beginnen. So können sich die Vögel an die Futterstelle gewöhnen.
🌻 Wer Vögel füttert, sollte es richtig machen
Bei der Winterfütterung kommt es nicht nur darauf an, dass gefüttert wird, sondern auch wie.
Gut geeignet sind beispielsweise Sonnenblumenkerne, verschiedene kleinere Samen, Nüsse und geeignetes Fettfutter. Auch unbehandelte Äpfel und getrocknete Beeren können für bestimmte Vogelarten angeboten werden.
Gesalzene Speisereste gehören hingegen nicht ins Vogelhaus.
Wichtig ist außerdem, das Futter trocken und sauber zu halten.
Silofutterhäuser oder Futtersäulen haben den Vorteil, dass die Vögel nicht direkt im Futter sitzen und dieses dadurch weniger leicht verunreinigt wird.
🌳 Heimische Sträucher sind eine natürliche Speisekammer
Wer seinen Garten langfristig tierfreundlicher gestalten möchte, kann bei der Auswahl der Pflanzen ansetzen.
Heimische Gehölze, Sträucher, Stauden und Kräuter bieten vielen Tierarten Nahrung und Schutz.
Beeren und Samen können im Herbst und Winter wichtige Nahrungsquellen sein. Dichte Sträucher und Hecken bieten gleichzeitig Verstecke und Schutz vor Wind und Wetter.
Ein abwechslungsreicher Garten mit unterschiedlichen Strukturen ist deshalb für Wildtiere wesentlich wertvoller als eine weitgehend kahle Fläche.
🧱 Kleine Durchgänge helfen dem Igel
Ein tierfreundlicher Garten endet außerdem nicht am eigenen Gartenzaun.
Igel legen bei ihrer Nahrungssuche größere Strecken zurück und müssen dabei von einem Garten zum nächsten gelangen können.
Geschlossene Mauern und Zäune können für die Tiere zum unüberwindbaren Hindernis werden.
Der Naturschutzbund empfiehlt deshalb durchlässige Zäune beziehungsweise kleine Durchgänge. Als Orientierung werden Öffnungen beziehungsweise Abstände von etwa 10 bis 12 Zentimetern genannt.
So kann aus mehreren einzelnen Gärten ein zusammenhängender Lebensraum entstehen.
⚠️ Lichtschächte, Pools und Gartenteiche können zu Fallen werden
Wer seinen Garten winterfit macht, sollte auch mögliche Gefahrenstellen kontrollieren.
Offene Lichtschächte können für kleine Wildtiere zur Falle werden.
Auch steilwandige Gartenteiche oder Schwimmbecken können gefährlich sein, wenn Tiere hineinfallen und keinen Weg mehr herausfinden.
Abdeckungen, flache Uferbereiche oder geeignete Ausstiegshilfen können solche Gefahren reduzieren.
Besondere Vorsicht ist außerdem beim Einsatz von Motorsensen, Rasenmähern und anderen Gartengeräten in Bereichen mit hohem Gras, Laub oder Gebüsch geboten.
Dort können sich Tiere verstecken.
🧪 Auf Schneckenkorn und Pestizide verzichten
Wer Wildtiere unterstützen möchte, sollte möglichst auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Schneckenkorn verzichten.
Ein naturnaher Garten lebt schließlich von einem Zusammenspiel unterschiedlicher Arten.
Insekten, Würmer, Schnecken und andere Kleintiere mögen für Gartenbesitzer manchmal lästig erscheinen, sind aber gleichzeitig Bestandteil der Nahrungskette.
Igel ernähren sich beispielsweise überwiegend von tierischer Nahrung wie Käfern, Würmern und anderen wirbellosen Tieren.
Ein Garten mit vielen Insekten bietet deshalb auch größeren Wildtieren bessere Lebensbedingungen.
🔥 Vorsicht bei alten Laub- und Reisighaufen
Besonders wichtig ist ein Punkt, der leicht übersehen wird.
Laub-, Reisig- oder Asthaufen, die bereits längere Zeit im Garten liegen, sollten nicht einfach umgesetzt oder verbrannt werden.
Wildtiere könnten sie inzwischen als Unterschlupf bezogen haben.
Wer einen Haufen bewusst als Winterquartier angelegt hat, lässt ihn deshalb am besten bis zum Frühjahr ungestört.
Auch beim Kompost ist Vorsicht angebracht: Komposthaufen können beispielsweise von Igeln, Erdkröten, Blindschleichen und zahlreichen Kleintieren als geschützter Lebensraum genutzt werden.
🦔 Einen schlafenden Igel besser schlafen lassen
Wer im Winter einen Igel in seinem Quartier entdeckt, sollte ihn grundsätzlich nicht wecken oder ins Haus holen.
Igel sind Wildtiere.
Der Naturschutzbund weist darauf hin, dass sie nicht ohne Grund gefangen oder aus der Natur entnommen werden sollen. Hilfe benötigen offensichtlich verletzte, kranke oder tatsächlich pflegebedürftige Tiere.
Wer unsicher ist, sollte sich an eine fachkundige Wildtier- oder Igelberatungsstelle wenden, statt auf eigene Faust zu handeln.
🏡 Der perfekte Wintergarten für Wildtiere darf ein bisschen unordentlich sein
Ein wildtierfreundlicher Garten muss weder verwildern noch ungepflegt aussehen.
Oft genügt es bereits, einzelne Bereiche bewusst der Natur zu überlassen.
Ein Laubhaufen in einer ruhigen Ecke.
Ein paar Stauden, die bis zum Frühjahr stehen bleiben.
Ein kleiner Stapel Totholz.
Eine Hecke statt ausschließlich kahler Zäune.
Samen und Beeren, die nicht sofort entfernt werden.
Ein Durchgang für Igel zum Nachbargarten.
Viele kleine Maßnahmen ergeben gemeinsam einen wertvollen Lebensraum.
🍂 Weniger Herbstputz bedeutet mehr Lebensraum
Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft für den Garten im Herbst:
Nicht alles, was für uns unordentlich aussieht, ist für die Natur wertlos. Oft ist genau das Gegenteil der Fall.
Unter einem Laubhaufen kann ein Igel seinen Winterschlaf verbringen. In einem trockenen Pflanzenstängel wartet ein Insekt auf den Frühling. Zwischen alten Blättern suchen Vögel nach Nahrung und ein Reisighaufen kann zum sicheren Rückzugsort für zahlreiche kleine Gartenbewohner werden.
Wer seinen Garten jetzt auf den Winter vorbereitet, kann deshalb ganz bewusst ein paar Ecken „vergessen“.
Die Natur wird es nutzen.
Und für Gartenbesitzer hat diese Form des Naturschutzes sogar einen angenehmen Nebeneffekt:
Weniger aufräumen bedeutet weniger Arbeit – und gleichzeitig mehr Leben im eigenen Garten. 🦔🐦🐞🍂
Quellen: Naturschutzbund Österreich – „Naturgarteln im Herbst – weniger ist mehr“ sowie Informationen zum winterfesten Naturgarten und Igelschutz; BirdLife Österreich – Informationen zur Winterfütterung heimischer Vögel; DIE UMWELTBERATUNG – Informationen zum igelfreundlichen und naturnahen Garten. Naturschutzbund Österreich


